Austausch in bewegten Zeiten

20.05.2026 von Andrea Hillebrand

Die Bonner Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (AGW) hat sich mit Oberbürgermeister Guido Deus und der Sozialdezernentin Azra Zürn über aktuelle Herausforderungen der Bonner Sozialpolitik ausgetauscht. Die AGW vertritt in Bonn über 240 soziale Dienste, Einrichtungen und Mitglieder mit mehreren tausend Mitarbeitenden.

Im Mittelpunkt des Gesprächs im Alten Rathaus stand die Frage, wie soziale Angebote in Bonn angesichts wachsender Bedarfe und begrenzter finanzieller Spielräume langfristig gesichert und weiterentwickelt werden können. Stadt und Freie Wohlfahrtspflege bekräftigten dabei ihren Anspruch, Menschen in schwierigen Lebenslagen weiterhin verlässlich zu unterstützen.

Oberbürgermeister Guido Deus skizzierte die sozial- und haushaltspolitische Lage der Stadt auch im Kontext der Entwicklungen auf Landes- und Bundesebene und würdigte das große Engagement der Träger und ihrer Mitglieder für eine soziale Stadt Bonn.

Soziale Teilhabe und gesellschaftlicher Zusammenhalt lassen sich nur gemeinsam sichern. Dafür bleibt der enge Austausch zwischen Stadt und Freier Wohlfahrtspflege unverzichtbar“, erklärte Oberbürgermeister Guido Déus.

Die Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft, Andrea Elsmann vom Diakonischen Werk und Caritasdirektor Jean-Pierre Schneider, verwiesen zugleich auf die zunehmenden Belastungen der sozialen Träger. Bereits in den vergangenen Jahren seien Kostensteigerungen, insbesondere durch erhebliche Tariferhöhungen, vielfach nicht ausreichend gedeckt gewesen. Gleichzeitig seien Unterstützungsbedarfe in vielen Bereichen deutlich gestiegen.

„Die sozialen Träger stehen unter erheblichem Druck. Umso wichtiger sind verlässliche Rahmenbedingungen und eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt, damit notwendige Hilfsangebote dauerhaft erhalten bleiben können“, betonten Andrea Elsmann und Jean-Pierre Schneider für die AGW.

Vor diesem Hintergrund bestand Einigkeit darüber, vorhandene Mittel möglichst wirksam und zielgerichtet einzusetzen und soziale Infrastruktur langfristig handlungsfähig zu halten. Gemeinsam müsse daran gearbeitet werden, dass keine irreparablen Lücken in existenziellen Hilfesystemen entstehen.

Sozialdezernentin Azra Zürn erklärte: „Gerade in Zeiten knapper finanzieller Spielräume müssen wir soziale Angebote so weiterentwickeln, dass sie die Menschen wirksam erreichen und langfristig tragfähig bleiben.“

Um die Verlässlichkeit sozialer Angebote zu sichern, regte die AGW an, künftig wieder zweijährige Vereinbarungen zwischen Stadt und Trägern abzuschließen, analog zu den Doppelhaushalten der Stadt. Entsprechende Regelungen seien auch in anderen Kommunen üblich und zudem bereits früher in Bonn praktiziert worden. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass die Bekämpfung der Wohnungsnot weiterhin höchste Priorität haben müsse. Sie appellierten an die politischen Kräfte im Rat, zügig die Voraussetzungen für Vorhaben zu schaffen, die zur Entlastung des Wohnungsmarktes beitragen. Die Träger wollen auch weiterhin selbst Wohnraum für besonders benachteiligte und bedürftige Menschen schaffen und bereitstellen, um die Obdachlosigkeit in Bonn zu reduzieren.

Einigkeit bestand darin, den gemeinsamen Austausch auch mit Blick auf die anstehenden Haushaltsberatungen eng fortzusetzen. Spätestens mit Vorlage des Haushaltsentwurfs 2027/2028 wollen Stadt und Verbände den Austausch in diesem Format fortsetzen.

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Text von Andrea Hillebrand, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Diakonisches Werk Bonn und Region
Meinungen der Autoren müssen nicht die Meinung der Redaktion wiedergeben.

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