GESUNDHEIT FÜR ALLE

11.05.2020 von Johannes Schwerdt
Medizinische Versorgung für alle Menschen in Bonn

Kampagne für Anonymen Krankenschein Bonn macht Fortschritte

Die Bemühungen um einen Anonymen Krankenschein für Bonn schreiten voran. Neben dem wachsenden Netz von unterstützenden Organisationen hat unsere Forderung nach ausreichendem Zugang zu Gesundheitsversorgung für alle Menschen in den letzten Monaten eine breitere öffentliche Aufmerksamkeit bekommen. Auch im Kontakt mit Politik und Stadtverwaltung können wir auf einige Erfolge zurückblicken und schauen optimistisch auf die nächste Zeit.

Zum Weltgesundheitstag am 07.04.20 veröffentlichten wir einen Offenen Brief an Oberbürgermeister Ashok Sridharan und Stadtdirektor Wolfgang Fuchs, in dem wir auf die prekäre Lage von Menschen ohne ausreichenden Zugang zu Gesundheitsversorgung in der aktuellen COVID-19-Pandemie hinwiesen und als Lösungsvorschlag unser AKS-Konzept präsentierten. Wir waren überwältigt von der Unterstützung und Verbreitung und freuten uns sehr über die prompte Reaktion von Herrn Sridharan, der uns eine Stellungnahme durch die Stadtverwaltung zusagte. Parallel dazu stellten wir einen gleichlautenden Antrag an den Bürgerausschuss. Außerdem veröffentlichten wir mit großem Engagement einiger Vereinsmitglieder unser ausführliches Konzeptpapier mit einem genauen Finanzplan auf Grundlage von Zahlen ähnlicher Projekte in Düsseldorf, Niedersachsen und Thüringen. Dieses Konzeptpapier stellten wir auf Wunsch der Bonner Stadtverwaltung sowie den Ratsfraktionen zur Verfügung.  

In einem Webinar mit den Kritischen Mediziner*innen Bonn am 23.04.20 konnten wir auf Fragen zu Konzept und Umsetzung eingehen. Wir freuten uns besonders über die zugeschalteten Medinetze aus Frankfurt und Ulm, da sie wie viele Initiativen die gleichen Ziele verfolgen und wir deshalb sehr von weiterer Vernetzung profitieren können. Außerdem wächst unser Kreis an Unterstützer*innen in Bonn weiter, zuletzt kamen der Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel und der Verein „Kinder- und Jugendärzte Bonn e.V.“ hinzu. Da uns in Diskussionen oft die gleichen Fragen und Einwände erreichen, haben wir begonnen, eine Liste von Frequently Asked Questions auf unserer Webseite zusammenstellen, die in Zukunft auch noch weiter ausgearbeitet werden soll.

Wir sind gespannt auf die Stellungnahme der unterschiedlichen Dezernate der Stadtverwaltung zu unserem ausführlichen AKS-Konzeptpapier. Sie soll am 14.05.20 veröffentlicht werden und eine konkrete Empfehlung an den Bürgerausschuss enthalten, der nach der abgesagten Sitzung Ende April nun voraussichtlich am 28.05.20 über unseren Antrag verhandeln wird. In der Sitzung dürfen wir in einem kurzen Redebeitrag Stellung nehmen. Wir hoffen natürlich auf Zustimmung von Stadtverwaltung und den Abgeordneten im Bürgerausschuss.

Einer der Kritikpunkte am AKS ist die Tatsache, dass er immer noch eine Gesundheitsversorgung zweiter Klasse bedeuten würde. Deshalb forderten die deutschen Medinetze und Medibüros in einem Offenen Brief an Bundesgesundheits-, Innen- und Arbeitsministerium und die Gesundheitsministerkonferenz die ausnahmslose und dauerhafte Eingliederung von allen unversicherten Menschen in das reguläre gesetzliche Krankenversicherungssystem sowie die vollständige Abschaffung der Übermittlungspflicht, die Menschen ohne Papiere zusätzlich daran hindert, dringend nötige medizinische Hilfsangebote wahrzunehmen (nachzulesen in einem taz-Artikel vom 15.04.20). So sehr wir eine bundesweit einheitliche Lösung begrüßen, haben die Menschen in Bonn und anderen Städten ganz akut mit der schwierigen Lage zu kämpfen, deshalb halten wir zunächst übergangsweise lokale Lösungen für notwendig.

Außerdem möchten wir Ihnen diesen bewegenden Bericht über einen MediNetz-Patienten ans Herz legen, der ohne ausreichende Gesundheitsversorgung seiner Krebserkrankung erlag – umso mehr Grund, uns weiter für das Menschenrecht auf Gesundheit einzusetzen!

Alle Informationen zum AKS und zum Fortschritt unserer Kampagne finden Sie auf unserer Webseite (aks-bonn.de), bei Facebook (facebook.de/aksbonn) und seit neuestem auch bei Twitter (@aksbonn) und Instagram.

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Gesundheit, Soziales, Sozialleistungen
Text von Johannes Schwerdt
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