Schulden! – (K)ein Problem?

29.11.2019 von Jean Pierre Schneider

Beitrag anlässlich der Veröffentlichung des Schuldneratlas 2019 von Creditreform Bonn

 … wirklich verlockend, was da gerade zwischen den Zeilen vieler Medienberichte transportiert wird: Da heißt es Bonn und Teile des Kreises stünden im Schuldneratlas gut da. –  Wer es darauf anlegt, der kann das gern so lesen – und falsch ist es in den meisten Formulierungen auch nicht – aber es verbirgt Manches, das bei genauerem Blick sehr besorgt machen muss! 

Die gern berichtete Senkung der Überschuldung – gegenüber dem Vorjahr – liegt mit -0,03% deutlich unter dem Promillebereich, das sind minimalste Schwankungen, die sicher keinen Grund zur Entwarnung geben! – Vielmehr ist auch in den Berichten von Langzeiteffekten die Rede, weil Schuldner nämlich oft erst nach zig Jahren in der Statistik auftauchen. 

Für Bonn ist das eine gefährliche Situation, wie gerade vielbeachtete aktuelle Studien zeigen. Das Institut der deutschen Wirtschaft beispielsweise zeigt auf, dass kaufkraftbereinigt in Bonn eines der höchsten bundesweiten Armutsrisiken besteht. Der Grund für die bisherige Unaufgeregtheit war die fehlinterpretierte Statistik. Hohe Durchschnittseinkommen zeigten, – ganz anders als die tägliche Erfahrung der Sozialen Dienste -, dass es  sich hier mehr oder weniger für alle gut leben lässt. – Das stimmt aber längst nicht mehr, wenn man die Bonner Preise berücksichtigt! Denn nicht nur Brötchen oder Socken , sondern die größten Lebenshaltungskosten – wie das Wohnen –  sind hier viel teurer als in den meisten anderen deutschen Städten. 

Darum zahlen viele Menschen schon jetzt weit mehr vom Einkommen fürs Wohnen als angemessen und dauerhaft tragfähig ist. – Mit jeder Mieterhöhung wird das Problem größer und allzu leicht riskieren sie Schulden, die bis zum Wohnungsverlust reichen. – Schuldnerberatungen kennen diese Situation … zumal Alleinerziehende mit Kindern oder kinderreichere Familien kaum Chancen haben, eine für ihr Einkommen bezahlbare Wohnung in Bonn zu finden. – Das gilt erst recht für Geringverdiener. 

All das sieht man heute nicht in der kurzen aktuellen Statistik – und es wirkt sich dort oft erst in einigen Jahren aus.  – Schulden sind ein existenzbedrohendes Problem und es gibt keine Gründe zur Entwarnung. Vielmehr sollten wir es schaffen, mit besserer Prävention und frühestmöglicher Beratung gerade in einer Stadt mit hohem Verarmungsrisiko tatsächlich dauerhaft Menschen besser zu schützen.

Die Kontaktdaten der Zentralen Schuldnerberatung Bonn finden Sie hier.

Informationen zum Schuldneratlas 2019.

Schulden | Kommentar
Text von Jean Pierre Schneider, Direktor des Caritasverbands Bonn
Meinungen der Autoren müssen nicht die Meinung der Redaktion wiedergeben.

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